Robert Temel
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2010
“Urbanität durch Selbstbestimmung und Eigenverantwortung. Baugemeinschaften als Werkzeuge der Stadtentwicklung. Kommentar zum Kapitel Baugruppen” (Urbanity by self-determination and individual responsibility. Buidling cooperatives as tools for city development. Commentary to the chapter on building cooperatives), in: Wien 3420 Aspern Development AG, Magistratsabteilung 18 (Ed.): Aspern. Die Seestadt Wiens: Vision + Wirklichkeit. Die Instrumente des Städtebaus (Aspern. Vienna's urban lakeside: vision + reality. The instruments of city planning) , Werkstattbericht Nr. 108, Vienna 2010, pp. 108–109

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Excerpt pp
. 108–109:

Damit hängt auch die Abgrenzung von BauherrInnen- und Bauträgermodell zusammen: Zentral ist aus meiner Sicht die Gestaltung durch die Baugemeinschaft und nicht die Frage, wer genau Eigentümer ist. Es gibt überaus erfolgreiche Baugemeinschaftsprojekte beispielsweise in Wien und Niederösterreich, die in Kooperation mit gemeinnützigen Bauträgern entstanden. Das gilt insbesondere für die historischen Projekte, bei denen fast immer eine solche Kooperation Voraussetzung für die Förderung war. Der Grad der Selbstbestimmung und Eigenverantwortung ist natürlich sehr verschieden, je nachdem ob die Gruppe selbst oder deren einzelne Mitglieder das Objekt besitzen, es mittels Gesamtmietvertrag, also mit Übernahme des Vermietungsrisikos mieten, oder ob die Gruppenmitglieder EinzelmieterInnen sind und die Gruppe nur für die Gemeinschaftsbereiche verantwortlich ist. Dachgesellschaftsformen wie die Hamburger Dachgenossenschaften oder der Verband B.R.O.T. in Wien erlauben eine Verknüpfung der Vorteile beider Formen, der Effizienz des professionellen Bauträgers und der Selbstbestimmung der Baugemeinschaften: Es handelt sich dabei um Trägerorganisationen, die speziell für die Realisierung von Baugemeinschaften gegründet werden, also quasi Baugemeinschafts-Bauträger, die den einzelnen Häusern große Freiheitsräume überlassen. Die nicht-individuellen Eigentumsformen besitzen gegenüber dem konventionellen Wohnungseigentum auch große Vorteile: Sozialbindung der Wohnkosten über die ErstbewohnerInnen hinaus, stärkerer Kooperationsdruck innerhalb des Hauses, Möglichkeit von einkommensheterogenen Gruppen, etc. Ganz zentral ist dabei aber die Vielfalt an Möglichkeiten: Für manche Gruppen mag es sinnvoll sein, mit einem gemeinnützigen oder gewerblichen Bauträger zu kooperieren, um ein Projekt umzusetzen. Dies sollte jedoch keinesfalls die einzig mögliche Form sein, Baugemeinschaftsprojekte in Wien zu realisieren. Dem großen Spektrum an Gruppenformen und -zielen sollte ein entsprechendes Möglichkeitsspektrum gegenüberstehen, und das muss erlauben, dass Baugemeinschaften selbst als Bauträger auftreten oder mithilfe von Dachgesellschaftsformen tätig werden können. Und die Voraussetzung dafür ist ein Angebot an Grundstücken speziell für solche Gruppen – genau so, wie das in Aspern aktuell der Fall ist.

Cover der Publikation Gemeinsam Bauen und Wohnen in der Praxis 2015 | Design: Claudia Litschauer Cover der Publikation Gemeinsam Bauen und Wohnen in der Praxis 2015 | Design: Claudia Litschauer