Robert Temel
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2007
„Mit vereinten Kräften“, in: Der Standard/Immobilien, 20.01.2007, S. I1

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Ausschnitt:

Seit Kurzem ist das Schlagwort „Baugruppe“ in aller Munde und macht Furore. Doch die neue Konjunktur des gemeinschaftlichen Bauens bleibt auf Deutschland beschränkt.
Partizipation bedeutet, dass sich die zukünftigen Bewohner direkt an der Planung beteiligen können. Zusammen mit den Architekten bestimmen sie die Struktur des Gebäudes, Lage und Art der Wohnungen, Größe, Ausstattung sowie Freiräume und Gemeinschaftseinrichtungen. Heute ist eine solche Beteiligungsmöglichkeit selten: Selbst bei hochpreisigen Eigentumswohnungen können bestenfalls ein paar Trennwände versetzt werden.
Für viele Mitbestimmungsprojekte – ob nun historisch oder gegenwärtig – steht im Mittelpunkt das Wohnen mit Kindern. Die Möglichkeit von nahen Verbindungen zwischen Wohn- und Außenraum, von großzügigen Spielzimmern und Gemeinschaftsflächen sind für viele ein Anlass, über gemeinschaftliches Bauen genauer nachzudenken. Die Vorteile gegenüber dem Wohnen von der Stange liegen auf der Hand: Gemeinschaft entsteht, die ökologische Ausrichtung des Baus kann kontrolliert werden, bei entsprechend professioneller Durchführung lässt sich unter Einhaltung der Baukosten sogar mehr herausholen als bei konventionellem Bauen: Kosten, die in der Regel den Gewinn des Bauträgers ausmachen, können auf diese Weise anderweitig genutzt werden.
Doch auch an Nachteilen mangelt es nicht: Der Planungsprozess erfordert viel Sitzfleisch, alle Entscheidungen müssen in langen Diskussionen mit den Mitauftraggebern und Planern geklärt werden. Nicht selten führt dies zu massiven Konflikten und erzeugt einigen Sand im Getriebe. Fehlende Vereinbarungen zwischen den Parteien können später zu bösem Erwachen führen.

Supermarktarchitektur in Österreich | Foto: RT Supermarktarchitektur in Österreich | Foto: RT