Robert Temel
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2007
„Architektur ist nicht alles“, in: Der Standard, Beilage Spezial Nitsch-Museum NÖ, 01.06.2007, S. A3

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Ausschnitt:


Mit besonderem Augenmerk auf die „Nullphase“ und mit eigenen „Wärmekarten“ nähern sich die Architekten von „archipel architektur+ kommunikation2 ihren Projekten. Damit lässt sich Nachhaltigkeit lukrieren – wie etwa mit dem Museumszentrum Mistelbach.
Die architektonische Planung des Museumszentrums Mistelbach stammt vom in Wien und Gars am Kamp ansässigen Atelier „archipel architektur +kommunikation“. Der Büroname der Architekten Johannes Kraus und Michael Lawugger ist Programm. Einerseits steht Archipel, der Begriff für eine Inselgruppe im Meer, für eine vernetzte Arbeitsweise. Je nach Projekterfordernis verknüpft sich „archipel“ mit anderen Planern und Kommunikationsexperten. Andererseits ist zwar Architektur die zentrale Kompetenz, nicht aber die alleinige.
Kraus und Lawugger legen Wert auf die Vorbereitung der architektonischen Planung, die „Nullphase“: „Unsere Aufgabe als Architekten verstehen wir auch so, das Potenzial einer Aufgabenstellung vor der eigentlichen Bauaufgabe zu analysieren und freizulegen.“
In diesem Zeitraum fallen wichtige Entscheidungen. Es geht darum, die Nachhaltigkeit zu überprüfen und so Investitionssicherheit zu gewährleisten – wie das im Falle des Museumszentrums in Mistelbach mit einem für diese Stadt großen Budget wichtig ist. Trotz der Bedeutung der „Nullphase“ wird sie im Alltag oft vernachlässigt. Viele Auftraggeber denken, dass sie Entscheidungen über Grundstückswahl, Einbindung in den Kontext, Verfahrensablauf, Raum- und Funktionsprogramm selbst fällen können - ohne professionelle Unterstützung. Hier kommt „archipel“ ins Spiel. Erfolgreiche Projekte werden durch intensive Workshops und Einbeziehung der betroffenen Bevölkerung vorbereitet.

Architekturpolitik in Europa 2006 | Grafik: RT Architekturpolitik in Europa 2006 | Grafik: RT