Robert Temel
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2007
„Großes Erbe mit Gelassenheit“, in: Der Standard/Immobilien, 27.10.2007, S. I1

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Ausschnitt:


Während einige Städte mit ihrem Erbe streng umgehen, tun sich andere leichter. Bloß wie findet sich in diesem Bürokratiedschungel der Bauherr zurecht?
„Wien bleibt Wien – und das ist wohl das Schlimmste, was man über die Stadt sagen kann“, hatte der österreichische Schriftsteller Alfred Polgar einst gesagt. Seine Worte sind der Auftakt zu einer opulenten Publikation, mit der die Stadt ihren ambivalenten Standpunkt zum Unesco-Weltkulturerbe darlegt. Nach wie vor ist die mediale Aufmerksamkeit der größte Unterschied zu früher, bevor sich die Unesco überhaupt für die Wiener Innenstadt zu interessieren begann. Denn die administrativen Abläufe und Anforderungen bei Bauanträgen haben sich im Wesentlichen nicht verändert – ganz gleich, ob inneres Schutzgebiet oder die sogenannte Pufferzone.
Interessanterweise entzündet sich die Welterbe-Aufmerksamkeit vorrangig an Dachausbauten und kaum jemals an einem der vielen klobigen Geschäftsportale, an den vielen seltsamen Fassadenfärbelungen oder an den toten Erdgeschoßzonen, die durch nachträglich eingebaute Garagen blockiert werden. Zum Handkuss kommen damit Bauträger, kleinere Investoren und – nicht zu vergessen – in erster Linie Privatbauherren.

Bibliothèque Sainte-Geneviève | Foto: RT Bibliothèque Sainte-Geneviève | Foto: RT