6/2006 OpenStreetMap

Die open-source-Bewegung entstand Ende der 1990er Jahre als Reaktion auf die Marktmacht von Softwarekonzernen wie Microsoft, auch wenn das Grundprinzip, dass Software für Menschen lesbar, frei verwendbar und frei veränderbar sein soll, schon viel älter ist. Diese Grundidee wurde nach und nach auch auf andere „kulturelle Werke“ wie Texte, Bilder, Fotos, Musik angewandt, weil die Werkzeuge zur digitalen Distribution und Bearbeitung zwar einerseits immer mehr möglich machten, andererseits gleichzeitig auf der ganzen Welt Nutzungsrechtsbestimmungen immer restriktiver wurden und vieles von dem, was die neuen digitalen Tools erlaubten, unmöglich machten – ganz anders als vor dem digitalen Zeitalter, wo all das zwar erlaubt, aber aufgrund der beschränkteren Werkzeuge viel schwieriger umzusetzen war. Ergebnis dieser Überlegungen sind Initiativen wie einerseits die GNU Public License für freie Software und andererseits die von Lawrence Lessig entwickelte Creative-Commons-Lizenz für andere Werke, die den restriktiven Copyright-Bestimmungen freiere, aber trotzdem rechtlich abgesicherte Regelungen gegenüber stellen wollen. Zunehmend bewegt sich somit die open-source-Bewegung in Richtung nicht-digitale, materielle Welt. Ein symptomatisches Beispiel dafür ist das Anfang Mai durchgeführte Treffen von OpenStreetMap (OSM) auf der britischen Isle of Wight. Ziel war es, mithilfe von GPS-Geräten die gesamte, 381 km2 große Insel kartografisch aufzunehmen und dann die Karte unter einer Creative-Commons-Lizenz frei zugänglich zu machen. Die digitale britische Ordnance-Survey-Karte mit einer Auflösung, die etwa einem Maßstab 1:1.250 entspricht, kostet pro Stadt 30.000 Pfund und für ganz Großbritannien über 4 Mio. Pfund – im Gegensatz zu den USA, wo solche Karten kostengünstig, wenn auch nicht so hoch aufgelöst sind. Die mehr als 30 Teilnehmer des Workshops befuhren oder begingen die Straßen und Wege der Insel, nahmen diese sowie markante Punkte in der Landschaft mit GPS auf, verbanden die räumlichen Daten mit Zusatzinformationen und legten so die Grundlage für eine neue, frei nutzbare Straßenkarte. Bisher hat OSM mehr als 24.000 km Straßen vermessen inklusive aller Autobahnen in Großbritannien, die meisten Daten gibt es aus London und Birmingham – und als nächstes folgt das Projekt Mapchester, eine digitale Aufnahme der Stadt Manchester, deren Ergebnisse bereits für den Veranstaltungsführer des Elektromusik-Festivals Futuresonic im Juli verwendet werden sollen.

www.opensource.org
free-culture.org
creativecommons.at
wiki.openstreetmap.org