Robert Temel
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2008
„Kleines Lexikon der Werkzeuge“, in: Elke Krasny (Hg.): Architektur beginnt im Kopf. The Making of Architecture, Basel/Boston/Berlin: Birkhäuser 2008, S. 149–179

Publikation bei Amazon

Ausschnitt S. 150, 156, 174:

Die Skizze ist eines der wichtigsten Entwurfswerkzeuge von Architektinnen und Architekten und bewährt sich als Mittel der Kommunikation. So halten sie für sich, aber auch für Mitarbeiter und Auftraggeber erste Ideen und weitere Schritte fest. Das zuvor nur Gedachte wird nun sichtbar und damit für sie selbst und andere überprüfbar. Vom (inneren) Auge geht es über die Hand aufs Papier — und zurück, weil das zeichnerisch Fixierte wiederum die Entwurfsvorstellung beeinflusst. Als „mythischer“ Ursprung der Architektur erlangen erste Skizzen Kultstatus, werden zu Sammlerobjekten.
In Besprechungen mit Klienten wird skizziert und so unmittelbar Architekturdenken vermittelt wie auch auf Besprochenes direkt reagiert. Ob Bleistift oder Kugelschreiber, Filzstift oder Füllfeder: Die Instrumente des Skizzierens sind mobil, leicht und handlich und auch unterwegs immer dabei. Skizziert wird nicht nur zu Beginn, sondern während der gesamten Arbeit an einem Projekt, um Veränderungen, Varianten oder Details auszuprobieren.
Nach wie vor ist der Bleistift wichtiges Skizzierwerkzeug. Doch heute verwendet man zunehmend auch Software fürs Skizzieren der ersten Ideen, noch bevor die Exaktheit des Computers für Baupläne wichtig wird.

Der Plan
ist standardisierte Architekturdarstellung und Mittel des Entwurfs, etwa wenn es um Proportionen oder exakte Größen geht. Die gebaute Welt entstand einst am Zeichentisch. Von der Antike bis in die 1950er Jahre verwendete man Reißfedern, seit 1953 brachte der Tuschestift „Rapidograph“ Veränderung. „Radiert“ wurde mit Messer oder Rasierklinge. Zusätzlich brauchte man einst Zirkel, Dreiecke, Winkelmesser und Reißschienen. 1980 wurde eine Maschine zur Planbeschriftung entwickelt, der Scriber.
Jede Änderung im Entwurf bedeutete viel Zeichenarbeit. Schwierig waren auch Vervielfältigung, Verkleinerung und Vergrößerung von Zeichnungen. Der charakteristische Ammoniakgeruch großer Lichtpausmaschinen ist heute ebenso aus den Büros verschwunden wie der Storchenschnabel zur Maßstabsänderung und das Wissen, wie man Zeichentische bespannt. Kopierer verlieren ihre Vervielfältigungsfunktion für Pläne, sind auch kaum mehr Entwurfswerkzeuge wie in den 1980ern.
CAD, Computer-Aided Design, veränderte ab Mitte der 1980er Jahre das Planzeichnen radikal. Eine offene Frage ist die Optimierung der Schnittstelle mittels CAD zu den Ausführenden: Die Welt des Baumaterials ist noch nicht kompatibel mit dem digitalen Entwerfen.

Das Modell: Ob Entwurf, Planung oder Präsentation, das Modell spielt unterschiedliche Rollen. Es dient dem Begreifen der Raumwirkung.
Von Karton über Lego, Styropor, Plexiglas, Holz oder Lehm, der Materialwahl scheinen keine Grenzen gesetzt. Teure Repräsentationsmodelle gibt es oft nur auf Klientenwunsch.
Durch die Computerisierung erfolgt eine Kombinierbarkeit von zwei- und dreidimensional. Die Mischformen des Zusammenspiels von Computer, Scanner, Film, Cutter oder Plotter erzeugen komplexe neue Visualisierungsmöglichkeiten. Am Rechner werden Modelle entwickelt, dann animiert oder als Film bearbeitet. CNC (Computer Numerical Control)-Technologien, wie Lasercutter oder Fräsen, schneiden aus Materialblöcken die am Computer generierten Modelle. 3D-Printer werden vom Computer angesteuert und bauen Schicht um Schicht 3D-Modelle aus Pulver auf, alle Entwurfsschritte können überprüft werden. „Walk throughs“ wie fotorealistische Animationen, die Originalmaterialien einscannen, um die zu bauende Architektur wirklichkeitsgetreu zu simulieren, werden in der Kommunikation mit Bauherren verwendet.

Ausstellungsplakat Baukultur Wien | Grafik: zunder zwo Ausstellungsplakat Baukultur Wien | Grafik: zunder zwo