Robert Temel
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Fotomontage: Windorgeln auf der Donauinsel 1994
Projekt Windorgeln für den Wettbewerb von Zement + Beton für einen Rad- und Informationsweg, Entwurf einer Reihe von Radwegstationen auf der Wiener Donauinsel, die einen Bezug zur Dimension der Insel vermitteln, 4. Preis, mit Peter Döllmann und Anuschka Frick.

Ausschnitt Wettbewerbstext

Die große Länge der Donauinsel von 21,1 km bietet sich als Gelegenheit für die räumliche Auseinandersetzung mit der Erdkrümmung an. Wenn man in der Mitte der Insel eine Tangente an die Erdkugel legt, so ergibt sich am Südende, addiert mit dem Gefälle von etwa 0,4 Promille, ein Höhenunterschied von 13,1 m. In der anderen Richtung verschwindet die Tangente aufgrund des Gefälles in der Erde, um nach 5,2 km wieder aufzutauchen.
Diese Verhältnisse optisch erkennbar zu machen erscheint wenig interessant, da für einen Beobachter die Erdtangente nicht von beliebigen anderen Geraden zu unterscheiden ist. Im Gegensatz dazu steht die Akustik, weil sie für eine Beschäftigung mit Proportionen besonders gut geeignet ist. So kann mittels der Tangente die Länge der Donauinsel in einem dynamischen System vermittelt werden.
Die Erdtangente gibt die Länge von 12 Betonsäulen an, die in regelmäßigem Abstand auf der Donauinsel positioniert sind. Die von der Erdgeometrie determinierte Länge ist direkt übertragbar auf eine bestimmte Tonhöhe, die erzeugt wird, wenn der Wind über eine Luftsäule dieser Länge streicht. Die 12 hohlen Säulen bilden also die 12 Pfeifen einer großen Windorgel, deren Tonumfang direkt mit der Erdkrümmung zusammenhängt: Eine Phase des Grundtons hat dieselbe Länge wie die Säule, die Obertöne sind die Vielfachen dieser Grundfrequenz.
Die einzelnen Elemente dieser Windorgel bieten ein lapidares Bild, das von der Oberflächenbehandlung und der Detaillierung bestimmt wird. Die eigentliche Bedeutung bekommen sie erst durch ihre Funktion als „Musikinstrumente“. Im Gegensatz zum rigiden optischen Eindruck der Säulen steht die „Offenheit“ der von ihnen erzeugten Töne, deren Dynamik, Timbre und Hörrichtung von Windstärke und -richtung bestimmt wird.

Hofsituation in Tübingen | Foto: RT Hofsituation in Tübingen | Foto: RT